Wenn ein Volk etwas vom Deichschutz versteht, dann sind es wohl die Niederländer.
Gerade dort zeigt sich, dass Deichpflege nicht zwangsläufig in dem bisherigen Umfang durch Schafherden erfolgen muss. Artenreiche Blumendeiche können durch eine angepasste Pflege — etwa eine Mahd zweimal im Jahr — erhalten werden und zugleich einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leisten. Das zeigt: Naturschutz, Weidetierhaltung und Hochwasserschutz müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wo sachlich geplant wird, entstehen Lösungen, die ökologische Vielfalt stärken und zugleich praktische Anforderungen erfüllen. Das ist auch für die Debatte um Herdenschutz und Wolfsschutz bedeutsam: Der Schutz von Weidetieren und Deichen darf nicht als Vorwand dienen, den Schutz streng geschützter Arten zu schwächen und sie zu töten wenn praktikable, naturverträgliche Alternativen bestehen.
Forschung, Praxis, Wirkung
1. BfN-Schriften 692 – Herdenschutz am Steilhang in der Praxis
Markus Röhl u. a., 2024, 226 Seiten, DOI: 10.19217/skr692.
BfN-Seite · Direkt-PDF · BfN-e-dition/OPUS
Die Studie behandelt Herdenschutz an Steilhang-/Mittel- und Hochgebirgsstandorten auf Basis von Betriebsbesichtigungen und Praxisempfehlungen.
2. BfN-Schriften 680 – Herdenschutz am Deich in der Praxis
Markus Röhl u. a., 2024, 194 Seiten, DOI: 10.19217/skr680.
BfN-Seite · Direkt-PDF · BfN-e-dition/OPUS
Die Studie fasst Erfahrungen von Weidetierhaltenden und Betriebsbesichtigungen zum Herdenschutz auf Deichen zusammen.
3. BfN-Skripten 530 – Empfehlungen zum Schutz von Weidetieren und Gehegewild vor dem Wolf
Kapitel 9 „Wie lassen sich Nutztierübergriffe durch Wölfe nachhaltig minimieren? – Eine Literaturübersicht mit Empfehlungen für Deutschland“ stammt aus dem Buch „Evidenzbasiertes Wildtiermanagement“.
Darin wird anhand wissenschaftlicher Fachliteratur dargelegt, dass die Bejagung von Wölfen kein geeignetes Mittel ist, um durch Wölfe verursachte Nutztierschäden nachhaltig zu verringern. "Obwohl in vielen Teilen der Welt Großkarnivoren traditionell mit dem Ziel getötet werden, Übergriffe auf Nutztiere zu verhindern (Treves 2019), gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass dadurch die Schäden deutlich verringert werden, es sein denn, der Wolfsbestand wird drastisch reduziert oder ganz ausgelöscht (Bjorge und Gunson 1985; Musiani et al. 2005; Krofel et al. 2011; Linnell und Cretois 2018). Eine generelle Bejagung von Wölfen, ohne sie großflächig auszurotten, ist offensichtlich kein geeignetes Mittel, um Nutztierschäden in Deutschland zu verringern." (Seite 244)